Tierschutz voranbringen – impulsive Tierkäufe auf dem Fischmarkt beenden!

Auf dem Fischmarkt und auf anderen Hamburger Wochenmärkten sollen in Zukunft keine lebenden Tiere mehr verkauft werden. Das habe ich gemeinsam mit den Fraktionen von SPD und uns GRÜNEN in der Hamburgischen Bürgerschaft vorgeschlagen. Mit dem Beschluss wird nun der Senat die konkrete Umsetzung prüfen.

Ungekürztes Redeskript

„Sehr geehrtes Präsidium, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen!

Im Tierschutz gilt es oft sehr dicke Bretter zu bohren. Es ist ein hartes und schmerzhaftes Ringen um eine neue Landwirtschaft, um eine Wissenschaft ohne Tierversuche, um den Artenschutz. Und oft können wir hier in der Bürgerschaft kaum etwas ausrichten, wenn Zuständigkeiten im Bund, bei der EU oder auf internationaler Ebene liegen.

Manchmal kann es aber auch so leicht sein, einen Unterschied zu machen, wenn Tiere hier mitten in unserer Stadt vor unserer eigenen Nase unnötig leiden müssen. Und das werden wir heute gemeinsam tun. Lassen Sie uns den Verkauf von lebenden Tieren auf unseren Wochenmärkten abschaffen – insbesondere auf dem Fischmarkt. Und ich danke Stephan Jersch für sein Engagement. Er hat ja recht.

Der Hamburger Fischmarkt ist kein Ort für Tiere. Wir alle kennen und lieben ihn, genau weil der Fischmarkt bunt, laut und trubelig ist. Er ist der Klassiker nach einer durchzechten Nacht auf der Reeperbahn. Die Party geht hier direkt weiter und natürlich spielt da auch Alkohol eine Rolle. Ist das die richtige Umgebung, um sich für ein Haustier zu entscheiden? Gibt es hier die Ruhe und die Zeit, Kaninchen, Meerschweinchen oder Hühner etwas kennen zu lernen, sich beraten zu lassen und einen Eindruck davon zu bekommen, ob das Tier gesund ist und sich artgemäß verhält? Nein, selbstverständlich nicht!

Wie soll im dicht gedrängten Treiben der richtige Umgang mit den Tieren vermittelt werden? Hier verstößt alles gegen die Grundbedürfnisse der Tiere! Gerade Hühner sind total schreckhaft – für sie der absolute Horror als Party-Gag ab durch die Mitte laufen gelassen zu werden. Kostet übrigens gerade mal so viel wie ein Longdrink an der Bar. Das Tierheim findet es übrigens auch alles andere als lustig – denn da landen die Tiere regelmäßig.

Grundsätzlich muss klar sein, dass mit dem Kauf eines lebenden Tieres eine Verantwortung und Fürsorgepflicht übernommen wird. Deshalb sollte der Senat jetzt prüfen, wie der Verkauf lebender Tiere auf unseren Märkten unterbunden werden kann.

Vielen Dank.“

Der Antrag „Tierschutz voranbringen – impulsive Tierkäufe auf dem Fischmarkt beenden“ wurde von der Bürgerschaft angenommen. Er ist ein Zusatzantrag zu einem Antrag der LINKEN. Ich danke dem Abgeordneten Stephan Jersch ausdrücklich dafür, dass er dieses Thema auf die Tagesordnung gebracht hat.

Download: https://www.buergerschaft-hh.de/parld…

Berichterstattung zum Thema:

https://www.ndr.de/nachrichten/hambur…

https://www.mopo.de/hamburg/-fuer-tie…

FÜR MEHR SCHUTZ VON KLEINTIEREN: VERKAUF LEBENDER TIERE AUF WOCHENMÄRKTEN BEENDEN

Lisa Maria Otte in der Bürgerschaft

Pressemitteilung der Grünen Bürgerschaftsfraktion

Die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen setzen sich mit einem gemeinsamen Antrag für effektiven Tierschutz auf Hamburgs Wochenmärkten ein und ersuchen den Senat, ein Verkaufsverbot von lebenden Tieren auf Märkten zu prüfen. Insbesondere auf dem Hamburger Fischmarkt werden lebende Tiere wie Hühner, Kaninchen oder Meerschweinchen zum Verkauf angeboten.

Dazu Lisa Maria Otte, tierschutzpolitische Sprecherin der Grünen Bürgerschaftsfraktion: „Auf dem Hamburger Fischmarkt ist es laut, eng und wuselig. Das, was diesen Ort fürs Partyvolk und Tourist*innen besonders beliebt macht, ist für Tiere ein Albtraum. Meerschweinchen, Hühner und Kaninchen werden in enge Käfige gezwängt, die keinen Rückzugsort bieten. Besonders Hühner sind äußerst schreckhaft und leiden extrem unter dem lauten Trubel. Es ist uns wichtig, endlich mit dem ‚Feierritual Hühnerkauf‘ nach einer durchzechten Nacht Schluss zu machen. Weder für die Tiere noch für das Tierheim, in dem sie dann landen, ist das akzeptabel. Wer sich für ein Haustier entscheiden will, braucht eine ausführliche Beratung und auch Zeit, das Tier vorab etwas kennenzulernen. Wenn die Art des Verkaufs gegen die Grundbedürfnisse der Tiere verstößt, kann auch kein richtiger Umgang mit ihnen vermittelt werden. Grundsätzlich muss klar sein, dass mit dem Kauf eines lebenden Tieres eine Verantwortung und Fürsorgepflicht übernommen wird. Und deshalb wollen wir mit unserem Antrag den Tierverkauf auf Wochenmärkten und insbesondere dem Fischmarkt stoppen.“

Dazu Britta Schlage, Tierschutzexpertin der SPD-Bürgerschaftsfraktion: „Lebende Tiere wie Hühner, Tauben, Kaninchen und Meerschweinchen sollten nicht in der für sie stressigen Umgebung eines Marktes zum Kauf angeboten werden. Das gilt insbesondere für den Hamburger Fischmarkt, dessen Besuch am frühen Sonntagmorgen in Nicht-Corona-Zeiten für viele Menschen ein Freizeitvergnügen darstellt. Vor allem nach Partynächten besteht zusätzlich die Gefahr unüberlegter Tierkäufe. Die die Tierverkäufe auf Wochenmärkten regelnde Gewerbeordnung von 1869 ist längst aus der Zeit gefallen. Mit unserem Antrag wollen wir die Optionen zur Änderung der Gewerbeordnung prüfen lassen und damit weiteres Tierleid durch Verkäufe auf Märkten verhindern. Auch Vereinbarungen mit Marktbetreibern könnten Teil einer Lösung sein.“

Foto © Hamburgische Bürgerschaft / Michael Zapf